- Bühne der Verborgenheit

Early Man

 Early men - Neandertaler in der Einhornhöhle

 

Schon zu Beginn der archäologischen Forschung wurden Höhlen als natürliche Wohnorte des Urmenschen angesehen. Die ersten wissenschaftlichen Grabungen in der Einhornhöhle, vom bekannten Arzt und Urgeschichtler Rudolf Virchow ab 1872 durchgeführt, hatten bereits das erklärte Ziel, Spuren und Hinterlassenschaften des eiszeitlichen Menschen zu finden. Diese und auch die nachfolgenden Ausgrabungen und Untersuchungen blieben leider erfolglos. Der damalige Direktor des Provinzialmuseums Hannover (jetzt Landesmuseum Hannover), Karl-Hermann Jacob-Friesen, hatte bereits die richtige Vermutung und grub sich 1925/27 in dem später nach ihm benannten Jacob-Friesen-Gang von der Höhle ausgehend durch das Sediment eines bis unter die Decke verfüllten Ganges Richtung vermuteter ehemaliger Tageslichtöffnung. Leider fand er weder den verschütteten Eingang noch Beweise einer steinzeitlichen Besiedlung. Er schuf mit dem Ergraben des Ganges allerdings, ohne es damals zu ahnen, die Voraussetzungen für die neuen Funde.

Im Jacob-Friesen-Gang wurden 1985 bei zunächst rein paläontologischen Untersuchungen des Autors unerwartet mehrere mittelpaläolithische (= mittlere Altsteinzeit) Artefakte gefunden, darunter ein präparierter Kern. Es folgte 1985/86 eine gemeinsame Sondage von der TU Clausthal und der Uni Tübingen, Inst. für Jägerische Archäologie, begleitet vom Inst. für Denkmalpflege Hannover und dem Landesmuseum Braunschweig. Die Ausgrabungen wurden 1987/88 vom Landesmuseum Hannover von Stephan Veil (Leitung) und dem Autor sowohl in der Höhle aus auch außerhalb fortgesetzt. Es konnten weitere wesentliche Erkenntnisse über die altsteinzeitliche Besiedlung und die Sedimentation gewonnen werden:

Die gesamte Sedimentfüllung des Ganges ist vom Eingang her in den Gang gelangt. Der „Gang“ war zunächst der hintere Bereich eines hohen Höhlenportals und Abris. Erst im Laufe von Jahrzehntausenden wuchs das Sedimentpaket an und der Gang wurde unpassierbar.

Die Grabungen 1985-1988 wurden an vier verschiedenen Stellen platziert. Überall wurden Steinartefakte gefunden. Der Nachweis der Anwesenheit des „Urmenschen“ in der Einhornhöhle war gelungen! Aufgrund ihrer technologischen Kennzeichen ist es sicher, dass die Steinartefakte älter als 40.000 Jahre sind. Die Absolutdatierungen und die Faunenzusammensetzung der in den gleichen Schichten gefundenen Tierknochen zeigt eine zeitlichen Stellung der Artefakte von der mittleren Weichselkaltzeit bis in die Eem-Warmzeit an, d.h. in den Sedimenten spiegelt sich eine Abfolge der Besiedlung der Höhle von ca. 70.000 Jahre b.p. bis ca. 130.000 b.p.

Die Verfertiger der Steinwerkzeuge waren somit vermutlich Neandertaler! Sie müssen über Jahrzehntausende die Höhle immer wieder aufgesucht haben bzw. war das damalige Höhlenportal ein über Generationen genutzter Aufenthaltsort. Die Fundstreuung und die Vielzahl kleiner und kleinster spitzkantiger Absplisse zeigt zudem an, dass hier Steinwerkzeug immer und immer wider vor Ort hergestellt wurde. Die Einhornhöhle war somit eine „Stein-Werkstatt“ des Neandertalers. Zur Herstellung benutze er überwiegend Harzgesteine aus der näheren Umgebung (Quarzite, Grauwacken, Kieselschiefer, Hornfelse). Einige Rohlinge brachte er allerdings auch aus größerer Entfernung mit: Es fanden sich Bruchstücke des im Südharz nicht vorkommenden baltischen Feuersteins.

Das für die Bearbeitung relativ schlechte Rohmaterial mit seiner Klüftigkeit und groben Körnung verhindert eine ideale Ausbildung von Schlag– und Bruchformen, wie sie vom Feuerstein (und somit von andern Fundstellen) bekannt ist. Das Einhornhöhlenmaterial sieht etwas unscheinbar aus.

Dafür hat diese Fundstelle allerdings die Besonderheit der langen zeitlichen Andauer der Begehung durch den eiszeitlichen Menschen.

Allerdings muss man auch bedenken, dass erst ein verschwindend geringer Anteil der Sedimente ergraben wurde. Innerhalb eines mindestens 15 m mächtigen Sedimentpaketes wurde ja erst auf ca. 6 m² Flächemaximal ein Meter Schichthöhe freigelegt. Die Gesamtfläche des Ganges wird auf dem Laufhorizont des Neandertalers auf über 200 m² geschätzt, zudem über 50 m² Vorplatz.

Die Ausgrabungen sowohl in der Höhle als auch im ehemaligen Höhlenportal werden seit 2014 vom Verein gemeinsam mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege fortgeführt.

 

Ausgrabungen Einhornhöhle: Stein-Artefakte aus der Zeit des Neandertalers

                               

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